Braided Rivers in Island – verflochtene Flussläufe aus der Luft

Dicht verzweigte Gletscherflüsse aus der Luft. | Nikon Z8 · 86 mm · f/5,6 · 1/1600 s · ISO 500
Ich weiß nicht mehr, wann und wo ich die ersten Bilder der verflochtenen Flussläufe Islands gesehen habe, aber ich war sofort fasziniert davon. Hier in Islands rauer Natur bahnen sich Flüsse noch ihren eigenen Weg. Die Formen und Strukturen erinnern an Adern, die die Landschaft zum Leben erwecken, und die unterschiedlichsten Farben bilden herrliche Kontraste zu einer teils farblosen Fläche aus Stein und Sand. Vom Boden aus bleiben die Kunstwerke weitgehend unbemerkt und erst aus der Luft wird ihre ganze Schönheit sichtbar.
Wie Islands verflochtene Flussläufe entstehen
Es sind die Gletscher, von denen aus sich das Schmelzwasser und die darin enthaltenen Sedimente auf den Weg zur Küste machen. Die enormen Mengen an Sand, Kies und vulkanischem Material tragen zu den unterschiedlichen Farben bei, und die unterschiedliche Fließgeschwindigkeit führt zu Ablagerungen und formt die einzigartigen Strukturen. Der Fluss teilt sich in zahlreiche Arme, vereint sich wieder, sucht ständig neue Wege und bildet so dieses verflochtene Muster.
Dieses System ist in ständiger Bewegung. Wasserstände, Schneeschmelze, Regen und Überschwemmungen verändern den Fluss ständig und haben maßgeblichen Einfluss auf die Fotos. Stellen, die an einem Tag wunderschön waren, können nach einer Regenperiode durch das viele Wasser verschwinden. Dafür entstehen andere Bereiche, die bei Niedrigwasser nicht vorhanden waren. Je nach Wassermenge, Sedimenten und Licht können sich auch die Farben stark verändern. Stellen, an denen ein Fluss direkt ins Meer mündet, können bei Ebbe traumhafte Motive bieten, während sie bei Flut wieder verschwinden.
Mit der Drohne auf Motivsuche
Ich habe viel Zeit mit der Recherche verbracht, um lohnende Spots zu finden. Sehr gut eignen sich hierbei Satellitenbilder, um interessante Stellen zu entdecken. Dabei ist nicht nur das eigentliche Motiv entscheidend, sondern auch die Erreichbarkeit. Denn die besten Spots sind nutzlos, wenn ich mich nicht in Reichweite meiner Drohne nähern kann.
Ein Beispiel ist der Markarfljót im Süden Islands. Entlang seines Laufs finden sich immer wieder interessante verzweigte Strukturen und große Sandflächen. Gerade beim Markarfljót lohnt es sich, den Verlauf vorab auf Satellitenbildern genauer anzusehen und nach interessanten Strukturen zu suchen.
Vor Ort schicke ich dann meist die Drohne hoch und beginne mit der Suche. Wenn ich ein geeignetes Motiv finde, hat die Drohne den großen Vorteil gegenüber dem Flugzeug, dass ich mir mit der Komposition Zeit lassen kann. Ich kann meinen Ausschnitt genau wählen, die verschiedenen Brennweiten meiner Drohne einsetzen und mich so sowohl auf kleinere Details als auch auf große Ausschnitte konzentrieren. Natürlich kann ich auch durch die Wahl der Höhe meine Fotos gestalten. Sehr hilfreich ist hierbei auch immer ein Polfilter an der Drohne. Er vermindert Reflexionen auf dem Wasser und kann die Farben intensiver wirken lassen.

Türkisfarbenes Wasser und rötliche Sedimente. | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/5 · 1/15 s · ISO 100

Helle Gletscherflüsse auf dunklem Untergrund. | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/3,2 · 1/200 s · ISO 100

Verzweigter Flusslauf eines Gletscherflusses in Südisland | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/3,5 · 1/15 s · ISO 100
Braided Rivers aus dem Flugzeug fotografieren
Mit dem Flugzeug läuft es etwas anders ab. Man kommt an Stellen, die mit der Drohne unerreichbar bleiben. Einige der großen Flüsse im Süden, die vom Schmelzwasser des Vatnajökull gespeist werden, sind so perfekt zu erreichen. Aus dem Flugzeug hat man weniger Zeit für eine bewusste Bildgestaltung. Ich fotografiere dann im Serienbildmodus und schon durch die Bewegung des Flugzeugs ergeben sich unterschiedliche Blickwinkel und Strukturen. Allein die Möglichkeit, diese Kunstwerke mit den eigenen Augen zu sehen, ist es mehr als wert.

Großflächiges Flusssystem aus dem Flugzeug. | Nikon Z8 · 68 mm · f/5,6 · 1/1600 s · ISO 500

Ständig neue Strukturen durch Wasser und Sedimente. | Nikon Z8 · 120 mm · f/5,6 · 1/1000 s · ISO 500
Für mich sind diese verflochtenen Flussläufe mit die faszinierendsten Landschaften, die Island zu bieten hat, und ich freue mich schon wieder auf das nächste Mal, wenn ich diese Landschaften sehen bzw. fotografieren kann.

Verflochtener Fluss mit bunten Sedimenten in Südisland | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/4 · 1/4 s · ISO 100

Blaue Wasseradern zwischen gelbgrünen Moosflächen. | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/4 · 1/20 s · ISO 100

Flussläufe im Gegenlicht. | Nikon Z8 · 90 mm · f/5,6 · 1/6400 s · ISO 500

Feine Wasseradern in farbigen Sedimentflächen. | Nikon Z8 · 120 mm · f/5,6 · 1/1250 s · ISO 500

Verzweigter Flusslauf eines Gletscherflusses. | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/3,5 · 1/240 s · ISO 100

Abstrakte Details die wie ein Gemälde wirken. | Nikon Z8 · 120 mm · f/5,6 · 1/3200 s · ISO 500

Verzweigter Flusslauf eines Gletscherflusses. | DJI Mavic 4 Pro · 28 mm · f/3,5 · 1/200 s · ISO 100

Verzweigter Flusslauf eines Gletscherflusses. | DJI Mavic 4 Pro · 168 mm · f/2,8 · 1/320 s · ISO 100

Abstrakte Flussstrukturen aus der Luft. | Nikon Z8 · 120 mm · f/5,6 · 1/2000 s · ISO 800

Formen, Farben und Strukturen aus der Luft. | DJI Mavic 4 Pro · 70 mm · f/2,8 · 1/320 s · ISO 100
Noch mehr meiner Island-Fotografien findest du in meiner Island-Galerie.
Alles, was du über Braided Rivers in Island wissen musst
Wie entstehen die verflochtenen Flussläufe?
Gletscherflüsse transportieren große Mengen an Sand, Kies und feinen Sedimenten. Durch wechselnde Wassermengen und Fließgeschwindigkeiten wird dieses Material immer wieder abgelagert oder weitertransportiert. Dadurch teilt sich das Wasser in viele einzelne Arme, die sich ständig verändern.
Wo findet man Braided Rivers in Island?
Besonders viele große und eindrucksvolle Flusssysteme findet man im Süden Islands. Dort treffen die Schmelzwasser der großen Gletscher auf weite Sand- und Schwemmebenen, auf denen sich die Flüsse stark verzweigen können. Aber auch in anderen Regionen Islands gibt es kleinere Flusssysteme mit interessanten Strukturen.
Wie findet man gute Fotospots?
Satellitenbilder sind für mich das wichtigste Werkzeug. Ich vergleiche dabei gerne Google Maps und Apple Maps, da die Aufnahmen aus unterschiedlichen Zeiträumen stammen können und Flüsse heute ganz anders aussehen können als auf einem einzelnen Satellitenbild.
Danach geht es vor allem darum herauszufinden, ob sich eine interessante Stelle überhaupt sinnvoll erreichen lässt. Straßen, Pisten, Flüsse, Privatgrund und natürlich auch mögliche Einschränkungen für Drohnen spielen dabei eine Rolle.
Wann ist die beste Zeit zum Fotografieren?
Eine allgemein beste Zeit gibt es für mich nicht. Ich bevorzuge meistens eher niedrigere Wasserstände, weil dann Sandbänke, feinere Strukturen und Farben stärker hervortreten.
Auch beim Licht gibt es kein klares Richtig oder Falsch. Bewölkter Himmel sorgt für gleichmäßiges Licht und wenige Reflexionen. Sonne bringt stärkere Kontraste und kann Farben intensiver wirken lassen. Beides kann sehr gut funktionieren.
Drohne oder Flugzeug – was eignet sich besser?
Beides. Mit der Drohne kann ich häufiger und wesentlich günstiger arbeiten und mir viel mehr Zeit für die Komposition nehmen. Höhe, Position und Brennweite lassen sich gezielt verändern.
Das Flugzeug eröffnet dagegen Gebiete, die sonst kaum erreichbar sind, und zeigt die Dimension dieser Flusssysteme noch einmal ganz anders. Wichtig ist auch dass sich das Fenster öffnen lässt und man ohne Scheibe dazwischen fotografieren kann.
Technisch arbeite ich ebenfalls unterschiedlich: Bei der Drohne ist die Belichtungszeit meist nicht entscheidend. Aus dem Flugzeug versuche ich dagegen möglichst kurz zu belichten, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Dafür öffne ich lieber die Blende oder gehe mit der ISO etwas nach oben.