Neuseeland - Die Südinsel - Robert Haasmann

Neuseeland - Die Südinsel

January 14th, 2017

Anfang Dezember haben wir uns in Salzburg in das Flugzeug gesetzt und die fast 35 stündige Anreise über Frankfurt, Shanghai und Auckland bis nach Christchurch auf uns genommen. Müde von der vielen Fliegerei sind wir noch an den Lake Coleridge in eine Lodge gefahren und haben uns dort einmal etwas hingelegt. In den kommenden 2 Tagen erkunden wir den Lake Coleridge sowie das Rakai River Valley, das Rangitata River Valley und die Gegend um den Lake Heron. Eine wunderbare Landschaft mit breiten und unverbauten Flusstälern die sich durch die Berge schlängeln. Ich bin überrascht dass wir hier kaum auf Touristen stoßen. Außer endlos großen Schafherden scheint hier nicht viel los zu sein. Und dann fahren wir uns noch auf einer der vielen Schotterstraßen einen alten Nagel in den Reifen aber zum Glück haben wir einen Ersatzreifen dabei.

Unsere Route führt uns weiter an den Lake Tekapo. Je näher wir dem See kommen desto mehr Lupinen zieren die Landschaft. Angekommen am See ist der gesamte Uferbereich voll mit Lupinen in den unterschiedlichsten Farben. Und außerdem ist es hier auch mit der Ruhe vorbei. Der Lake Tekapo ist eines der vielen Highlights hier in Neuseeland die bei den Meisten fix am Programm stehen. Und so gestaltet es sich auch als „Herausforderung“ Fotos ohne Menschen zu machen. Das asiatische Hochzeitspaar mit eigens angereistem Fotografen nimmt dabei genauso wenig Rücksicht wie die Kinder der indischen Großfamilie die das Lupinenfeld als riesigen Spielplatz zum Fangen und Verstecken nutzen oder Herrschaften an Selfiesticks die sich willkürlich durch die Blumen schieben. Zu Sonnenuntergang kehrt wieder etwas mehr Ruhe ein und wir füllen die Speicherkarten mit bunten Lupinen vor dem türkisen Lake Tekapo während die schneebedeckten Gipfel in der Ferne von den letzten Sonnenstrahlen in ein warmes Licht getaucht werden. Wir campen zwei Nächte am etwas ruhiger gelegenen Lake Alexandrina und unter Tags wandern wir am Ufer des Lake Tekapo. Die Landschaft ist traumhaft schön und hebt die Vorfreude auf die kommenden Tage am Lake Pukaki und beim Mt. Cook.

Der Lake Pukaki erscheint in einem noch intensiveren Türkis als der Lake Tekapo zuvor. Wir wollen an diesem Tag eigentlich den Mount Cook fotografieren, doch über dem Gipfel hängen graue Wolken und wir entscheiden uns es einmal etwas gemütlicher anzugehen. Gegen Abend schlagen wir dann unser Zelt auf und machen uns auf den Weg zum Hooker Lake am Fuße des Mount Cooks. Schon am Weg durch das Hooker Valley lockert die Wolkendecke auf und wir bekommen den höchsten Berg Neuseelands zu Gesicht. Den Sonnenuntergang fotografieren wir dann vor einem herrlichen Bergpanorama das sich im Wasser des Hooker Lakes spiegelt und kommen erst kurz vor Mitternacht zurück zum Zelt. Zu Sonnenaufgang ist der Himmel stark bewölkt. Zum „Glück“ für uns denn wir sind uns nicht ganz sicher ob wir die 3 stündige Wanderung hin und zurück auf uns genommen hätten und so sehen wir uns stattdessen den wolkenverhangene Lake Tasman mit dem gleichnamigen Tasman Glacier an. Das Highlight des Tages ist definitiv der abgelegene Zeltplatz den wir am gegenüberliegenden Ufer des Lake Pukaki finden. Direkt am Ufer gelegen und mit Blick auf die höchsten Gipfel Neuseelands haben wir diesen herrlichen Platz ganz für uns alleine und genießen ihn mit einer Flasche Wein.

Von den eindrucksvollen Berglandschaften der neuseeländischen Südalpen geht es für uns jetzt weiter Richtung Süden an die Pazifikküste. Am Weg zu den Moreaki Boulders kommen wir durch Zufall an den Clay Cliffs vorbei und halten für einen ausgiebigen Fotostopp. Die Küste ist wieder dichter besiedelt als das Landesinnere und auch die Moreaki Boulders sind „gut besucht“. Aber auch hier lösen sich die Menschenmassen gegen Sonnenuntergang wieder auf und es bleibt nur eine Handvoll Menschen am Strand bei den Boulders. Diese eigenartigen Kugeln am Strand geben ein geniales Fotomotiv ab und wir haben das Glück dass sich die Wolken noch super verfärben.

Nach 10 Tagen in denen wir viel gereist sind und noch mehr erlebt haben wollen wir mal ein paar Tage an einem Ort bleiben und es etwas ruhiger angehen. Wir nehmen uns ein Zimmer in der Surat Bay Lodge und quartieren uns für 3 Nächte ein. Unter Tags spazieren wir am Strand entlang, fotografieren die Seelöwen direkt vor unserer Unterkunft und besuchen die Pinguinkolonie. Am Abend fotografieren wir dann den Leuchtturm und die schroffe Küste am Nugget Point. Hier lässt es sich aushalten! Zum Abschied besuchen wir nochmals unseren „Hausseelöwen“ Jack den wir die meiste Zeit von unserem Zimmerfenster aus beobachten können und machen uns auf in Richtung Fiordland Nationalpark.

Auf dieses Stück Wildnis im Südwesten Neuseelands freu ich mich besonders. Hier sind die steilen Berghänge von dichtem Regenwald mit riesigen Farnen überwachsen, unzählige Wasserfälle bahnen sich nach einem der vielen Regenfälle ihren Weg ins Tal, ein großer Teil der nur in Neuseeland heimischen Bergpapageien – Keas – lebt hier und natürlich der Milford Sound. Ich fühle mich hier auch auf Anhieb wohl und genieße die Zeit in dieser einmaligen Natur in vollen Zügen. Mehrmals kommen wir zum Milford Sound um die Fjordlandschaft zu fotografieren und machen auch eine Bootstour durch den Sound. Bei Regen lassen sich die mit Farn bewachsenen Wasserläufe bestens fotografieren, nur die Keas sind nicht so freundlich und wir erwischen sie beim Versuch unsere Radioantenne am Auto abzumontieren, im Gegenzug lassen sie sich dafür bereitwillig fotografieren. Ein paar Nächte Zelten wir bevor wir uns eine Unterkunft in Te Anau nehmen und so verbringen wir insgesamt 6 Tage im Fiordland.

Über Queenstown und Glennorchy geht’s weiter nach Wanaka. Heute ist Weihnachten und statt eines Weihnachtsbaum gibt’s für uns den berühmten Wanaka Tree. Außerdem meint es das Christkind gut mit uns und beschert uns einen genialen Sonnenuntergang! Weihnachtsstimmung kommt bei 25 Grad sonst aber nicht wirklich auf. Am 25.12. gehen wir auf den Roy’s Peak hinauf, da die Sonne unter Tags erbarmungslos runterbrennt und wir keine Lust auf eine Bergtour in dieser Mittagshitze haben, gehen wir erst am späten Nachmittag los und so können wir einen herrlichen Sonnenuntergang vor einmaliger Kulisse genießen.

Weiter entlang der Westküste ist es mit dem guten Wetter einmal vorbei und die Westküste präsentiert sich regnerisch und wolkenverhangen. Vom Fox Glacier und Franz Josef Glacier ist leider nicht viel zu sehen und die nächsten Tage verbringen wir sehr gemütlich. Leider haben sich auch hier die Gletscher schon weit zurückgezogen und man sieht auch bei gutem Wetter nicht all zu viel von ihnen. Vor unserer Weiterfahrt klart das Wetter aber wieder auf und wir entscheiden uns spontan zu einem Rundflug. Der Flug in der kleinen einmotorigen Maschine ist der Hammer! Das Panorama auf die von Schnee und Eis bedeckten Gipfel von Mount Cook und Mount Tasman ist unbeschreiblich schön und von oben sieht man das Ausmaß der Gletscher. Ich genieße den Flug bis ich plötzlich Stimmen höre – „Wir werden sterben“ „Wir stürzen ab“… Ein kurzer Blick nach hinten beruhigt mich, die Stimmen sind außerhalb meines Kopfs und stammen von dem kleinen Jungen aus Neu Caledonien der plötzlich eine Panikattacke hat. Der Kindheitstraum vom Piloten wird für ihn damit wohl erledigt sein…

Den Jahreswechsel verbringen wir abseits des Trubels und mieten uns für 3 Tage ein Kajak im Abel Tasman Nationalpark. Dieser herrliche Küstenabschnitt mit der üppigen Vegetation und den entlegenen Sandstränden lädt zum Verweilen ein. Am zweiten Tag zwingt uns das stürmische Wetter und ziemlich hohe Wellen zu einem Ruhetag. Es gibt aber definitiv schlimmeres als hier einen Tag am Strand verbringen zu müssen…

Die markanten Felsformationen am Wahariki Beach sind unsere letzte Station auf der Südinsel und damit endet auch der erste Teil der Reise und des Reiseberichts. Neuseeland hat einiges zu bieten und ist unglaublich abwechslungsreich. Das Reisen ist einfach und entspannt und fotografisch ist die Südinsel eine absolute Traumdestination. Besonders die Berglandschaften rund um den Mount Cook und die Unzugänglichkeit und Schönheit des Fiordland Nationalparks haben mich begeistert und es wird mich sicher wieder dorthin ziehen. Dann wohl etwas fokussierter auf diese Gegenden und vielleicht etwas länger zu Fuß oder mit dem Kajak aber jetzt geht es einmal weiter auf die Nordinsel...


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